Monatsarchiv :

Oktober 2018

Gestern stand ein Vorwurf im Raum 1024 725 Anke Radeschewski-Colombo
Schauen Sie sich den Vorwurf ganz genau an, dann verstehen Sie, wie und wann er entstanden ist und welchem Zweck er dient.

Gestern stand ein Vorwurf im Raum

Der Vorwurf war omnipräsent und mächtig im Weg.

Jeder konnte ihn spüren, auch wenn er nicht direkt benannt wurde.

Niemand weiß, wer ihn dorthin gestellt hat, aber jeder ist genervt. Er fängt an, das Betriebsklima zu verpesten, weil jeder um ihn herumschleicht, sein Gegenüber als Verursacher vermutet und die Arbeit unter seinem Einfluss schwieriger und unerfreulicher ist.

Vermutlich hat jemand einen kleinen Vorwurf durch die Tür geschoben und weil sich niemand um ihn gekümmert hat, ist er unbemerkt angeschwollen. Vielleicht ist er auch schon so lange da, dass sich niemand mehr erinnert. So wie die geerbte Schrankwand von Tante Kunigunde und Onkel August, die keiner haben will und von der man nicht mehr weiß, wie man sie demontiert, passt der Vorwurf nicht mehr durch die Tür.

Was sollen Sie jetzt mit ihm anstellen?

Sie können ihn sich schönreden, indem Sie behaupten, er störe kaum und liefere immerhin ein Gesprächsthema. Oder Sie geben ihm einen neuen Anstrich und erklären ihn für dekorativ.

Sie können umziehen und ihn zurücklassen, aber was tun, wenn der Nachmieter ihn nicht will?

Sie können ihn zerschlagen, zersägen oder verbrennen, aber was tun Sie, wenn sich seine Splitter, Späne und Abgase weiter durch die Abteilungen fressen?

Eines ist klar: Wenn Sie den Vorwurf ignorieren, wird er wachsen und gedeihen, Ableger bekommen und eher früher als später durch die Decke gehen. Wie werden Sie ihn dann wieder los?

Schauen Sie ihn sich ganz genau an, dann erkennen Sie, aus welchem Holz er geschnitzt ist und verstehen, wie und wann er entstanden ist und welchem Zweck er dient:

Vorwürfe sind Einladungen zu Veränderung, ernst genommen, verwandeln sich die sperrigen Störenfriede in nützliche Mitarbeiter.

Denn man sieht Vorwürfen oft nicht auf den ersten Blick an, was in ihnen steckt: ihren Zweck, ihr Erneuerungspotenzial und die kleinen Erleichterungen für den Alltag finden Sie nur, wenn Sie ganz genau hinschauen. Dann laufen Sie auch nicht Gefahr, einen Status quo zu kultivieren, der längst nicht mehr zeitgemäß ist, sondern können, wie in einem Steinbruch nach Rohlingen schürfen und in der Werkstatt die Facetten herausarbeiten.

Welche Vorwürfe nehmen Sie unter die Lupe?

Was tun Sie mit den Dingen, die sich einschleichen, im Weg herumstehen und sich einfach nicht zurechtrücken lassen?

Leitkultur oder Kulturleitung? 1024 725 Anke Radeschewski-Colombo
Gibt es bereits eine Kulturleitung und was leitet sie: frische oder abgestandene Ideen, verträglichen oder belasteten Treibstoff, gewinnbringende oder kostspielige Motive? Ist Ihre Kulturleitung eher eine Pipeline, ein Schlauch oder ein Strohhalm? Verläuft sie geradlinig oder verzweigt? Wen schließt sie an, wen aus?

Leitkultur oder Kulturleitung?

Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, welches die Zutaten zu Ihrer Leitkultur sind?

Das können z.B. Dinge sein, die Sie von Ihren Eltern gelernt, bei Ihrem Partner abgeschaut oder von den Menschen am Arbeitsplatz oder im Verein mitgenommen haben.

Salopp gesagt, bestimmt Leitkultur dasjenige, was Sie tagtäglich sagen oder tun, ohne dass Sie darüber nachdenken (müssen).

Die Ihrer Leitkultur können Sie steuern, indem Sie sich mit der Kulturleitung befassen:

Gibt es bereits eine Kulturleitung und was leitet sie: frische oder abgestandene Ideen, verträglichen oder belasteten Treibstoff, gewinnbringende oder kostspielige Motive?

Ist Ihre Kulturleitung eher eine Pipeline, ein Schlauch oder ein Strohhalm? Verläuft sie geradlinig oder verzweigt? Wen schließt sie an, wen aus?

Sobald Sie sich dies bewusst machen, können Sie selbst regulieren, was in welchem Maße in Ihre Kultur einfließt:

Im Unternehmen (und auch in der Familie oder im Verein) übernehmen Sie die Kulturleitung, sobald Sie Gelegenheiten schaffen, Automatismen in den Fokus zu rücken, Leitmotive zu entdecken und auf ihre Tauglichkeit zu untersuchen, sie gegebenenfalls zu verändern, auszubauen oder neu zu entwickeln. Damit weisen Sie die Entwicklungsrichtung für zukünftige Zusammenarbeit, Erneuerung und Erhaltung.

Wer übernimmt bei Ihnen die Kulturleitung und nach welchem Leitmotiv? Soll sie modernisiert, ausgeweitet oder umgeleitet werden? Wer wartet sie und wer bestimmt den Preis?

Nach dem Patt folgt Schachmatt? 1024 725 Anke Radeschewski-Colombo

Nach dem Patt folgt Schachmatt?

Beate war sich ganz sicher: Sie würde das Architekturbüro ihres Vaters übernehmen, aber keinesfalls so führen wie er. Sie werde auf flache Hierarchien, auf geteilte Verantwortung sowie mehr Mitbestimmung setzen und hat auch schon den langjährigen Mitarbeiter Alex im Auge, den sie als Partner in die neue Bürostruktur aufnehmen will.

Georg war sauer: Seine Tochter gefährdete leichtfertig Produktivität und Renommee des Büros, das er über 30 Jahre aufgebaut und geführt hat. Statt sich der unternehmerischen Verantwortung zu stellen, wollte sie die Angestellten auf Augenhöhe mitbestimmen lassen. Dabei baute er schon seinen Mitarbeiter Alex auf, damit dieser Beate dabei unterstützen konnte, das Büro mit den bewährten Konzepten zu vergrößern und weiter durch jede Krise zu steuern.

Alex überraschte alle: Er kündigte, weil er nicht mehr effizient arbeiten konnte, wenn sich die Inhaber nicht einig waren, ihm widersprüchliche Anweisungen gaben und er seine Vorgehensweise teils im Stundentakt ändern, teils verheimlichen musste. Als der bis dahin still vor sich hin schwelende Konflikt lautstark eskalierte, suchten sich weitere Mitarbeiter neue Jobs.

Das Büro rutschte in Richtung Abgrund: Die Inhaber blockierten sich gegenseitig und darüber hinaus fehlten zwischenzeitlich schlichtweg erfahrene Mitarbeiter, damit Kunden betreut, Qualitätsstandards aufrechterhalten und Termine eingehalten sowie Beates Arbeitsaufträge und Georgs spontane Änderungswünsche ausgeführt werden konnten.

Wie verhinderten Beate und Georg ein Schachmatt?

Zunächst suchten sie sich Unterstützung, damit ihre bis dahin lautstark, unfair und chaotisch verlaufenen Streitgespräche wieder zum strukturierten Meinungsaustausch im Dienste des Büros wurden. In diesem Rahmen sprachen sie erstmals darüber, dass es auch Dinge gibt, die sie an der Arbeit des jeweils anderen schätzen und an welchen Stellen ihre Zusammenarbeit in der Vergangenheit gut funktioniert hat.
Damit veränderten sie die Stimmung im Büro zum Positiven und durch den Austausch über das „wofür“ ihrer unterschiedlichen Herangehensweisen, konnten sie über bisher konfliktbeladene Themen reden, ohne sich jedes Mal persönlich anzugreifen.

Es folgte ein Prozess der Lösungs-er-findung in dem Beate und Georg anhand gemeinsam festgelegter Kriterien eine Strategie zur Weiterführung des Büros entwickelten.
Um weitere Kündigungen zu verhindern, informierten sie die Mitarbeiter über ihr Zukunftsszenario, definierten gemeinsam die zukünftigen Rollen im Unternehmen und stellten einen Zuständigkeits-, einen Umsetzungs- und einen Zeitplan auf.

Wo liegt Ihr Weg aus dem Patt?

Womit gewinnt Ihr Unternehmen?