Veränderung

Nein, lesen Sie dies nicht! 1024 725 Anke Radeschewski-Colombo

Nein, lesen Sie dies nicht!

Und? Was hat sich in Ihnen gerührt?

Widerspruch, nach dem Motto „jetzt erst recht“? Neugier, warum Sie dies nicht lesen sollten? Unverständnis und die Frage „was denn dann?“?

Auf jeden Fall hat keine dieser Fragen Sie davon abgehalten, weiterzulesen.

Sondern sie haben ganz klassisch mit „ich tu’s“ auf den Appell einer „tu’s-nicht-Botschaft“ reagiert.
Das liegt daran, dass unser Gehirn von der Aufforderung, etwas nicht zu tun, gleichzeitig dazu angehalten wird, etwas zu tun. Da wir in Bildern denken, nimmt es eine visuelle Übersetzung dieses „etwas“ vor – für ein abstraktes „nicht“, kennt es jedoch kein Bild und lässt es der Einfachheit halber weg.

Und schon sind Sie oder Ihr Gegenüber mitten drin, in dem, was sie nicht tun sollten oder wollten:

Zum Beispiel entspannt sich Ihr Partner, denn er hat klar vor Augen, wie es aussieht, wenn er die Sporttasche lässig in die Ecke schmeißt und Ihre Tochter sieht schon die wunderbaren Spritzer, die entstehen, wenn sie in die Pfütze springt. Ihnen selbst läuft bei dem Gedanken an 5 Kugeln Eis das Wasser bereits im Munde zusammen und Ihren Mitarbeiter steht bei den Worten „Zeitplan nicht überziehen“ plastisch vor Augen, wie sie die Deadline im Kalender weiter nach hinten schieben.

Und mal ehrlich: Wann bekommt man je so intensive Aufmerksamkeit, wie ab dem Punkt, an dem das „nicht“ passiert?

Warum sollte man darauf verzichten?

Was also tun?

Sobald Sie ein konkretes alternatives Bild erzeugen, das diejenige der unendlich vielen Alternativen beschreibt, die Sie sich statt des „nicht“ vorstellen, wird genau dieses übernommen. Statt eines vagen „das will ich nicht“ entsteht ein präzises „genau dies möchte ich“.

Und Sie müssen mit ganzem Herzen dabei sein, wenn Sie Ihre Partnerin bitten, ihre Sportsachen aufzuräumen oder Ihren Sohn dazu auffordern, zwischen den Pfützen Slalom zu laufen. Sie selbst müssen davon überzeugt sein, dass 2 Kugeln Eis heute ausreichen und Ihre Mitarbeiter müssen spüren, wie wichtig und ernst es Ihnen ist, dass die Deadline eingehalten wird.

Für den Fall, dass Sie noch halbherzig bei der Sache sind oder sich unentschlossen fühlen, ist eine Sparringpartnerin hilfreich: sie kann den Spiegel vorhalten, um die eigene Wirkung und Entschlossenheit auszuprobieren oder dabei helfen, die eigenen Bedürfnisse zu erkunden, Ziele abzustecken und Aufgaben zu formulieren.

Schaffen Sie das alleine? Oder haben Sie das nicht nötig?

Schicken Sie mir keine Nachricht oder rufen Sie mich an!

Aufwachen! 1024 725 Anke Radeschewski-Colombo
Schaffen Sie möglichst viele Gelegenheiten, um geweckt zu werden!

Aufwachen!

Aufwachen und raus aus der Alltagstrance!

Wie oft tun Sie etwas während Sie an etwas komplett anderes denken?
Wie oft probieren Sie einen neuen Weg zur Arbeit aus oder machen den Großeinkauf woanders?
Wann nehmen Sie die Zahnbürste mal in die andere Hand?

In Ihrer Alltagstrance machen Sie automatisch so weiter, wie Sie es gewohnt sind.

Das ist praktisch und kraftsparend, wenn es um positive Gewohnheiten geht. Und die anderen?

Was tun, wenn es mit den guten Vorsätzen einfach nicht klappt?

Jeder und alles schubst Sie in die gewohnte Richtung. Wenn Sie etwas verändern möchten, sollten Sie Ihr Leben umdekorieren, so dass Sie möglichst oft beim Schauen, beim Hören, beim Riechen und beim Schmecken erwachen und sich daran erinnern, die neue Richtung einzuschlagen.

Packen Sie die Erinnerungen an alte Gewohnheiten weg und stellen Sie Impulse für neue bereit.

Räumen Sie Ihren Schreibtisch um, wenn sich etwas im Büro verändern soll: weg mit der Orchidee und hin mit dem Kaktus, wenn Sie künftig stachelig sein und auch mal „nein“ sagen wollen.

Kleben Sie sich ein Bild von zwei Händen an den Schrank mit den Süßigkeiten, wenn Sie abnehmen wollen und pressen Sie Ihre Handflächen vor dem Öffnen erst mal fest dagegen. So können Sie Ihre bisherige „Tür-auf-und-Süßigkeiten-futtern-Trance“ mit der „Tür-zu-und-schlank-werden-Trance“ gezielt ersetzen.

Stellen Sie Ihre Laufschuhe mitten in den Korridor, wenn Sie mehr Sport machen wollen. Oder rahmen Sie die Rechnung Ihres Fitness-Clubs ein. Sie werden sich sehr anstrengen müssen, verschämt darüber hinweg zu sehen, statt zum Training zu gehen.

Das ist wesentlich effektiver als den großen Vorsatz zu fassen, diesmal wirklich, WIRKLICH Willensstärke zu beweisen und alles, ALLES besser zu machen. Schaffen Sie sich in Ihrem Alltag lieber mit vielen Kleinigkeiten eine kontinuierliche Erinnerung an das, was Ihnen wirklich wichtig ist.

Oder stellen Sie Ihren Wecker nur für einen einzigen Morgen und verschlafen dann für ein ganzes Jahr nicht mehr?

Maurizio hat sich zum Beispiel das Bild eines Lasso-werfenden HB-Männchens aufgehängt. Das bringt ihn zum Schmunzeln und er geht gelassener in die Verhandlungen mit seinen Geschäftspartnern: Er erinnert sich jetzt nämlich rechtzeitig daran, seine Partner mit dem Gesprächs-Lasso gefühlvoll einzufangen, statt in die Luft zu gehen und sie mit der Argumente-Knarre abzuknallen.

Hört sich albern an? Funktioniert aber!

Probieren Sie es doch mal aus: Hängen Sie sich diese Geschichte an den Kühlschrank, stellen Sie Ihre Laufschuhe auf den Schreibtisch, legen Sie die Zigaretten ins Gefrierfach.

Erzählen Sie sich eine Geschichte, die Sie überzeugt und zum Handeln bringt. Dekorieren Sie um – Ihren Schreibtisch, Ihren Kleiderhaken, Ihren Kühlschrank, Ihre Trance.

Gestern stand ein Vorwurf im Raum 1024 725 Anke Radeschewski-Colombo
Schauen Sie sich den Vorwurf ganz genau an, dann verstehen Sie, wie und wann er entstanden ist und welchem Zweck er dient.

Gestern stand ein Vorwurf im Raum

Der Vorwurf war omnipräsent und mächtig im Weg.

Jeder konnte ihn spüren, auch wenn er nicht direkt benannt wurde.

Niemand weiß, wer ihn dorthin gestellt hat, aber jeder ist genervt. Er fängt an, das Betriebsklima zu verpesten, weil jeder um ihn herumschleicht, sein Gegenüber als Verursacher vermutet und die Arbeit unter seinem Einfluss schwieriger und unerfreulicher ist.

Vermutlich hat jemand einen kleinen Vorwurf durch die Tür geschoben und weil sich niemand um ihn gekümmert hat, ist er unbemerkt angeschwollen. Vielleicht ist er auch schon so lange da, dass sich niemand mehr erinnert. So wie die geerbte Schrankwand von Tante Kunigunde und Onkel August, die keiner haben will und von der man nicht mehr weiß, wie man sie demontiert, passt der Vorwurf nicht mehr durch die Tür.

Was sollen Sie jetzt mit ihm anstellen?

Sie können ihn sich schönreden, indem Sie behaupten, er störe kaum und liefere immerhin ein Gesprächsthema. Oder Sie geben ihm einen neuen Anstrich und erklären ihn für dekorativ.

Sie können umziehen und ihn zurücklassen, aber was tun, wenn der Nachmieter ihn nicht will?

Sie können ihn zerschlagen, zersägen oder verbrennen, aber was tun Sie, wenn sich seine Splitter, Späne und Abgase weiter durch die Abteilungen fressen?

Eines ist klar: Wenn Sie den Vorwurf ignorieren, wird er wachsen und gedeihen, Ableger bekommen und eher früher als später durch die Decke gehen. Wie werden Sie ihn dann wieder los?

Schauen Sie ihn sich ganz genau an, dann erkennen Sie, aus welchem Holz er geschnitzt ist und verstehen, wie und wann er entstanden ist und welchem Zweck er dient:

Vorwürfe sind Einladungen zu Veränderung, ernst genommen, verwandeln sich die sperrigen Störenfriede in nützliche Mitarbeiter.

Denn man sieht Vorwürfen oft nicht auf den ersten Blick an, was in ihnen steckt: ihren Zweck, ihr Erneuerungspotenzial und die kleinen Erleichterungen für den Alltag finden Sie nur, wenn Sie ganz genau hinschauen. Dann laufen Sie auch nicht Gefahr, einen Status quo zu kultivieren, der längst nicht mehr zeitgemäß ist, sondern können, wie in einem Steinbruch nach Rohlingen schürfen und in der Werkstatt die Facetten herausarbeiten.

Welche Vorwürfe nehmen Sie unter die Lupe?

Was tun Sie mit den Dingen, die sich einschleichen, im Weg herumstehen und sich einfach nicht zurechtrücken lassen?

Leitkultur oder Kulturleitung? 1024 725 Anke Radeschewski-Colombo
Gibt es bereits eine Kulturleitung und was leitet sie: frische oder abgestandene Ideen, verträglichen oder belasteten Treibstoff, gewinnbringende oder kostspielige Motive? Ist Ihre Kulturleitung eher eine Pipeline, ein Schlauch oder ein Strohhalm? Verläuft sie geradlinig oder verzweigt? Wen schließt sie an, wen aus?

Leitkultur oder Kulturleitung?

Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, welches die Zutaten zu Ihrer Leitkultur sind?

Das können z.B. Dinge sein, die Sie von Ihren Eltern gelernt, bei Ihrem Partner abgeschaut oder von den Menschen am Arbeitsplatz oder im Verein mitgenommen haben.

Salopp gesagt, bestimmt Leitkultur dasjenige, was Sie tagtäglich sagen oder tun, ohne dass Sie darüber nachdenken (müssen).

Die Ihrer Leitkultur können Sie steuern, indem Sie sich mit der Kulturleitung befassen:

Gibt es bereits eine Kulturleitung und was leitet sie: frische oder abgestandene Ideen, verträglichen oder belasteten Treibstoff, gewinnbringende oder kostspielige Motive?

Ist Ihre Kulturleitung eher eine Pipeline, ein Schlauch oder ein Strohhalm? Verläuft sie geradlinig oder verzweigt? Wen schließt sie an, wen aus?

Sobald Sie sich dies bewusst machen, können Sie selbst regulieren, was in welchem Maße in Ihre Kultur einfließt:

Im Unternehmen (und auch in der Familie oder im Verein) übernehmen Sie die Kulturleitung, sobald Sie Gelegenheiten schaffen, Automatismen in den Fokus zu rücken, Leitmotive zu entdecken und auf ihre Tauglichkeit zu untersuchen, sie gegebenenfalls zu verändern, auszubauen oder neu zu entwickeln. Damit weisen Sie die Entwicklungsrichtung für zukünftige Zusammenarbeit, Erneuerung und Erhaltung.

Wer übernimmt bei Ihnen die Kulturleitung und nach welchem Leitmotiv? Soll sie modernisiert, ausgeweitet oder umgeleitet werden? Wer wartet sie und wer bestimmt den Preis?